Etwas verrückt ist das zugegebenermaßen ja wirklich, so eine breit gestreute vintage Spielzeugsammlung. Und man fragt sich ja vielleicht zurecht, wie das überhaupt kam, dass ich das alles angehäuft habe. Die Geschichte meiner Sammlung ist dabei eigentlich gar nicht so kompliziert oder dramatisch.
Ich hatte als Kind das Glück, dass mein Vater in einer Kaufhauskette als Handwerker gearbeitet hat und deshalb auch Zutritt hinter die Kulissen hatte. Die 1980er waren eine andere Zeit, muss man hierzu wissen. Alles, was in Kaufhäusern nicht verkauft werden konnte, weil z.B. die Verpackung beschädigt oder offen war, wurde zur Müll- und Papierpresse gegeben und in Würfel kompaktiert, die dann einfach als Müll abtransportiert wurden. Wenn man also ein bisschen aufmerksam war und beispielsweise in der Nähe zu tun hatte, hat man schnell festgestellt, dass da eigentlich brauchbare Sachen gelandet sind. Gut, oft waren die Verpackungen offen oder die Blister eingedrückt, mal war was abgerissen, aber der Inhalt war oft genug noch in Ordnung. Wenn die Verpackungen vollkommen zerstört waren wurden die Spielzeuge in Gänze einfach in die Presse geworfen und wenn man schnell war konnte man das ein oder andere da noch rausfischen. Auf diese Art bin ich an sehr viele Dinge gekommen, wie eine meiner Turtles-Figuren, sehr viele Real Ghostbusters-Aufkleber und Radiergummis, Metallautos, Fernlenkautos, aber auch Schreibsets bis hin zu tütenweise Biene Maja und Heidi-Hefte von Bastei. Dazu gab es damals noch einen Mitarbeiterrabatt, wenn man dort eingekauft hat, in Höhe von Sage und Schreibe 30%, später wurde das dann schrittweise reduziert auf nur noch 5% aber zu dieser Zeit war das Kaufhaus eine Art Wunderland. So blieb natürlich mehr Geld übrig und mein Vater brachte mir fast jeden Tag zumindest irgendwas mit. Die Sachen waren ja sauber.
Leider bin ich für Motu zu spät gekommen, mit meinem 84er Jahrgang, sodass ich auf dem Weg nur einen Ninjor bekam, von dem ich auch lange gar nicht wusste, dass er Ninjor heißt oder überhaupt etwas mit Motu zu tun hat. Er hatte ja keine Verpackung. Mir fiel nur auf, dass er ähnliche Füße und einen ähnlichen Gürtel hatte wie die Motu-Figuren, die ich aus einem Mattel Toys-Werbeheft kannte. Wenn man den ganzen Teil, den ich so erhalten habe, mal rausnimmt, wäre meine Sammlung wohl um einiges kleiner.
Mein Spielzeug war mir als Kind immer sehr wichtig und ich habe eigentlich nichts verbummelt, nichts verloren, nichts verschenkt und nichts wirklich kaputtgemacht, außer aus Versehen. Deshalb ist auch auf diesem Weg sehr viel erhalten geblieben.
Und zu guter Letzt fing ich Ende der 90er an, aktiver Spielzeug und Actionfiguren zu sammeln. In der Geburtsstunde des Internets gab es neben Ebay auch noch Plattformen wie eHammer und die Preise für das „alte Zeug“ waren noch richtig niedrig. Niemand ahnte, was in den Folgejahren passieren würde und die meisten dachten, das ist alter Ramsch und haben sich wohl gewundert, warum das überhaupt jemand kauft. Aber zu der Zeit habe ich, Taschengeld sei dank, fast jede Woche irgendwas online gekauft. Und wenn He-Man-Figuren in der Regel irgendwas zwischen 1-25 Euro gekostet haben, dann nimmt man davon erst mal eine Menge mit. „Der ist selten, der geht durchaus schon mal für 60 Euro weg!“ Oh you sweet summer child…
Eine weitere Quelle waren damals auch die großen Flohmärkte im Ruhrgebiet, wo ich phasenweise auch jedes Wochenende unterwegs war und Bravestarr, Thundercats und Mein kleines Pony weggeschleppt habe. Auch da waren die Preise noch nicht so hoch wie heutzutage, wo ja jeder weiß, dass für altes Spielzeug ein Markt besteht. Und weil ich durchaus mal Kisten und Kästen länger durchwühlt habe und auch bei Bücher- und Comicständen gehalten habe, ist mir auch auf dem Weg viel in die Hände gefallen. Es hilft auch, einfach über viele Toylines Bescheid zu wissen. Man findet keine Jem-Puppen in einem Stapel Barbies wenn man nicht weiß, wie Jem-Puppen aussehen.
Aber das hat doch trotzdem alles Geld gekostet!
Ja, natürlich. Aber wenn man nicht so viele andere Hobbies hat, und die auch wenn dann eigentlich nichts kosten, dann hat man schon Budget dafür übrig. Das ist aber auch ein Lifestyle, den man mir schwer nachmachen kann 😀
Aber auch heutzutage jage ich manchmal noch nach Schnäppchen und komplettiere Figuren, die schon seit Jahrzehnten unkomplett bei mir rumliegen. 🙂